Infektionshygiene.de

Hygienemanagement
Berlin Brandenburg

Infektionshygiene.de © Oktober 2012 Andreas Ruhnau

Trinkwasserhygiene

Die hygienischen Anforderungen an das Trinkwasser werden durch die Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV 2001) in der Fassung März 2016 in Verbindung mit dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz- IfSG) geregelt.

Die Zweite Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung ist am 13. Oktober 2012 veröffentlicht worden und am 14. Dezember 2012 in Kraft getreten.

Hauptpunkte der Änderungen sind u. a. :

Änderungen bei den Vorgaben zur Legionellenuntersuchungspflicht. Dazu zählt die Einführung einer Definition für Großanlagen direkt in der Trinkwasserverordnung ebenso wie die Vorgabe, dass erst eine Überschreitung des Technischen Maßnahmenwertes zu einer Meldepflicht an das Gesundheitsamt und zu weiteren Pflichten zu Maßnahmen für den Betreiber führt. Hierzu zählen die unverzügliche Durchführung von Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen (inklusive einer Ortsbegehung und einer Prüfung auf Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik) sowie eine Gefährdungsanalyse und die Durchführung von Maßnahmen, die zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher erforderlich sind.

Jedoch gibt es auch Entlastungen im Bereich der Objekte mit Großanlagen, bei denen Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit abgegeben werden. Hier wurde das Untersuchungsintervall von 1x /Jahr auf 1x / 3 Jahren verlängert. Die Erstuntersuchung muss nun bis zum 31. Dezember 2013 (vorher 31. Oktober 2012) erfolgt sein. Auch ist die Meldepflicht für den Bestand an Großanlagen weggefallen.

Die Strafbarkeit bei Verstoß gegen die Liste gemäß § 11 TrinkwV 2001 wurde beibehalten, der Verweis auf die Liste wurde nur aktualisiert (17. Änderung, November 2012). Eingefügt wurde ein neuer § 12. Dieser Paragraph sieht Ausnahmegenehmigungen von der Liste gemäß § 11 vor, wenn es sich dabei um die Erprobung eines Aufbereitungsstoffes oder Desinfektionsverfahren handelt.

Der § 17 wurde neu formuliert. Hygienische Anforderungen können nun vom Umweltbundesamt verbindlich festgelegt werden. Die vom UBA festgelegten hygienischen Bewertungsgrundlagen gelten 2 Jahre nach ihrer Veröffentlichung verbindlich.






Trinkwasserhygiene


Hintergründe der Legionellenprüfung


Legionellen sind ein natürlicher Bestandteil unseres Grundwassers und der Oberflächengewässer. Obwohl nur in geringer Konzentration, ist daher ein Vorkommen in dem von Wasserwerken geliefertem Trinkwasser möglich. Kritisch wird es jedoch erst, wenn die Bakterien sich z.B. in Warmwasseranlagen in ihrem bevorzugten Temperaturbereich von 25-45°C vermehren können. Das Risiko der Ausbreitung steigt, wenn das Wasser über längere Zeiträume steht. Abtöten lassen sich diese Bakterien innerhalb weniger Minuten, wenn man das Wasser auf über 60°C erhitzt. Warmwasseranlagen verfügen oft über eine sogenannte Legionellenschaltung, mit der die abtötende Temperatur aktiviert wird. Schutz bietet dies jedoch nur kurzfristig, denn sobald neue Bakterien von außen in die Anlage gelangen und die Vermehrungstemperatur erreicht wird, beginnt das Problem von neuem.

Bei einer erhöhten Konzentration können Legionellen die für den Menschen  gefährliche Legionärskrankheit oder das Pontiac-Fieber auslösen.

Durch die regelmäßige Untersuchung potenzieller Vermehrungsorte mindert die gesetzliche Untersuchungspflicht also unser Risiko, mit kontaminiertem Trinkwasser infiziert zu werden. Wird bei den Proben eine erhöhte Konzentration der gefährlichen Bakterien festgestellt, kann und muss sofort reagiert werden.

Die Verbesserung der Trinkwasserhygiene und die Vermeidung von Legionellenwachstum ist im Hinblick auf überdimensionierte Wärmeversorgungsanlagen im Bestand sowie mangelhafte Hygiene von zentralen Trinkwassererspeichern ein ernstzunehmendes Thema. Gerade in großen Wohn- und Funktionseinheiten wie Hotels, Krankenhäuser und Altenheime besteht Handlungsbedarf.

In Bestandsanlagen weit verbreitet sind indirekt beheizte Trinkwasserspeicher, die in der Regel überdimensioniert sind. Hier kommt es insbesondere in großen Speichern immer wieder zu Hygiene-Problemen, die konstruktiv bedingt sind. Neben langen Verweilzeiten und der Ausbildung von Totzonen ist oftmals die Temperaturhaltung mangelhaft.


Gefahrenherde und mögliche Quellen der Exposition


Zu einer hohen Anreicherung von Legionellenkeimen kommt es typischerweise in Heißwassertanks sowie in Bereichen des Wasserleitungssystems, in denen gelegentlich oder regelmäßig eine Stagnation des Wassers eintritt, vor allem über Wochen stagnierende/tote Wasserleitungen, vorübergehend nicht genutzte Wohnungen, Neubauten, Sanierungen und Umbauten, saisonal betriebene Anlagen (z.B. Campingplätze, Freibäder), Sportanlagen, hydrotherapeutische Einrichtungen (Sauna, Whirlpool, Fontänen, Rutschen etc.), Hallenbäder, Springbrunnen etc.. Besonders sensibel sind die zentralen Wasserversorgungen in Krankenhäusern, Sanatorien, Altenheimen, Hotels und Zahnarztpraxen (Mundspüleinrichtungen), auch wegen des stärker „gefährdeten“ Nutzerkreises. Des weiteren stehen auch technische Anlagen wie z.B. die Wasserstrahltechnik in Produktionsstätten (Reinigung, Autowaschanlagen), Kühltürme oder auch Lüftungsanlagen mit Aerosolbildung in der Diskussion, wenn nicht durch regelmäßige Wartung und Reinigung, ggf. Biozideinsatz, Verdampfung statt mechanischer Luftbefeuchtung oder Sterilwasser eine mögliche Legionellenübertragung verhindert wird.


Abhilfemaßnahmen und Legionellenbekämpfung


Aufgrund vielfacher Untersuchungen ist davon auszugehen, dass es weitaus komplizierter ist, die periphere Lokalbesiedlung mit Legionellen (Stagnationswasser) in den Griff zu bekommen als die systemische Besiedlung (Fließwasser) und dass zudem jede periphere Stelle unterschiedlich besiedelt sein kann. Eine wichtige Voraussetzung für alle Sanierungsverfahren ist eine gleichmäßige Durchströmung der Leitungen. Dafür ist ein „hydraulischer Abgleich“ von Zirkulationssystemen nach DVGW Arbeitsblatt W 553 durchzuführen. Auch bei bereits abgeglichenen Verteilungsnetzen ist eine Überprüfung und ggf. Anpassung an veränderte Abgabebedingungen sinnvoll. Zur Bekämpfung von Legionellenverkeimungen ist meist die Anwendung verschiedener Methoden in z.T. sehr unterschiedlichen Zeitabständen notwendig und die Kenntnis des Leitungsnetzes und des verwendeten Materials vorausgesetzt. Abhängig von Materialeigenschaften sind nur bestimmte Bekämpfungsverfahren einsetzbar: So kommt es z.B. bei feuerverzinkten Eisenleitungen im Warmwasserbereich durch eine thermische Desinfektion zu starken Korrosionen. Bei thermischen Legionellenbekämpfungsaktionen müssen nicht nur der Bereich des Heizkessels, sondern auch die Leitungsstrecken entsprechend berücksichtigt werden, des weiteren darf das (behandelte) Heißwasser nicht mit Kaltwasser zur Verbrühungsvermeidung verschnitten werden, da dadurch wiederum eine Aufkeimung möglich wird.