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Infektionshygiene.de © Oktober 2012 Andreas Ruhnau

Maßnahmen gegen Legionellen in der Trinkwasser-Installation

Aufgrund der Gefährlichkeit der Krankheitserreger ist es gerechtfertigt, die Legionellenbelastung in Trinkwasser-Installationen so niedrig wie möglich zu halten. Man kann davon ausgehen, dass der Legionellengehalt in Trinkwasser-Installationen, die baulich und betrieblich den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, erfahrungsgemäß unterhalb des technischen Maßnahmenwertes von 100 KBE/100 Milliliter ist. Wird dieser technische Maßnahmenwert überschritten, ist dies meist ein indirekter Hinweis auf (vermeidbare) technische oder organisatorische Unzulänglichkeiten in der Trinkwasser-Installation. Wesentliches hierzu findet sich in den DVGW Arbeitsblättern W 551 und W 553, der DIN 1988-200 sowie in der VDI 6023.


Legionellenprobleme sind vor allem dann zu erwarten, wenn die Warmwassertemperaturen nach Ablauf von maximal drei Litern 55°C unterschreiten bzw. die Kaltwassertemperaturen 25°C überschreiten. Ursachen sind insbesondere fehlender hydraulischer Abgleich der Zirkulation (alle Zirkulationsleitungen müssen durchflossen und annähernd gleich heiß sein), mangelnde Dämmung der Warm- und Kaltwasserleitungen, heruntergeregelte Vorlauftemperatur, Stagnation durch Überdimensionierung, seltener mangelnde Leistung des Wassererwärmers. Ein hydraulischer Abgleich der Zirkulation und zusätzlich eine Einsparung an Energie wird erreicht durch Einbau thermostatischer Zirkulationsregulierventile in jedem Strang und deren Voreinstellung nach Berechnung.


Ungeeignete Materialien, wie verzinkte Stahlleitungen im Warmwasser (Korrosion) oder nicht zertifizierte Kunststoffe in Rohren oder Schläuchen (Förderung des Bakterienwachstums durch Nährstoffabgabe) verstärken die Problematik ebenso, wie Kalk- und Schlammablagerungen in nicht gewarteten Warmwasserspeichern.


Weitere Problempunkte sind direkte Verbindungen zwischen Warm- und Kaltwasser, zentrale Mischer als Verbrühungsschutz, Membranausdehnungsgefäße ohne Durchströmung oder mit defekter bzw. nicht trinkwassergeeigneter Membran, Totleitungen und stagnierende Sprinkler- und Hydrantenleitungen. Mit Wasserstagnation ist aber auch bei längeren Abwesenheiten der Bewohner, Leerstand von Wohnungen oder nur gelegentlicher Nutzung z. B. in Gäste- und Ferienzimmern zu rechnen.


Nach einer Erhöhung der Temperatur im Warmwasserspeicher auf ≥60°C gemäß DVGW W 551 ist zu kontrollieren, dass sich nicht die Kaltwassertemperatur unzulässig erhöht. Dem kann durch Kältedämmung und notfalls erhöhte Kaltwasserentnahme entgegengewirkt werden.


Es gibt zahlreiche Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber Legionellen in der Installation, die zum Teil in der folgenden Tabelle wiedergegeben sind.


               Einige Legionellenbekämpfungsmaßnahmen: Vor- und Nachteile

















































Die in der Tabelle aufgeführten Maßnahmen sind Akutmaßnahmen, um bestehende Gefährdungen zu vermindern. Ihre Wirkung ist entweder zeitlich begrenzt, so dass eine häufige Wiederholung notwendig ist oder sie haben allein keine ausreichende Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen. Man muss sich immer vor Augen halten, dass Bekämpfungsmaßnahmen, ob thermisch, chemisch oder physikalisch, nur dann erfolgreich sein können, wenn sämtliche Stellen des Trinkwasser-Installationssystems damit erreicht werden können. Beim mikrobiologischen Nachweis insbesondere hoher Legionellenkonzentrationen ist dies erfahrungsgemäß nur selten der Fall! Hinzu kommt, dass chemische und physikalische Verfahren dann erfolgversprechend sind, wenn es zuvor zu einer weitgehenden Entfernung von Biofilmen gekommen ist. Hier kann auch die Luft/Wasser-Spülung eine entscheidende Rolle spielen. Bei Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion der Trinkwasser-Installation ist das DVGW-Arbeitsblatt W 557 zu beachten. Dauerhaft niedrige Belastungen sind nur durch Einhaltung der Systemtemperaturen ≤ 25°C oder ≥ 55°C und einen bestimmungsgemäßen Gebrauch der Trinkwasser-Installation zu erreichen.

Maßnahme

Vorteile

Nachteile

Thermische Desinfektion

- sichere Legionellen-abtötung, auch im Biofilm

- keine Chemikalienzusätze

- keine Biofilmentfernung

- rasche Wiederverkeimung

- Spannungsbrüche bei ungeeigneten Materialien

- Verbrühungsgefahr

- großer Aufwand

- Korrosionsgefahr

Intermittierende Aufheizung des Trinkwassererwärmers auf ≥ 70 °C

- Legionellenminimierung im Erwärmer

 - kaum/keine Wirkung im Leitungsnetz

Desinfektion des Trinkwassers durch Chlordioxid

- wie bei Chlorung oder

Chlorelektrolyseverfahren

- kein gebundenes Chlor und keine chlorierten Desinfektionsnebenprodukte

- evtl. Bildung von Chlorit (gesundheitsschädlich)

- Legionellen in Biofilmen und Einzellern werden ungenügend abgetötet

- Korrosionsgefahr

Desinfektion des Trinkwassers durch Chlorung oder Chlorelektrolyseverfahren

- sichere Abtötung frei schwimmender Legionellen

Bei Dauereinwirkung:

- keine oder verzögerte Biofilmneubildung

- langfristiger Abbau von Biofilmen

- Depotwirkung.

- evtl. Bildung von Chlorit (gesundheitsschädlich)

- Legionellen in Biofilmen und Einzellern werden ungenügend abgetötet

- Korrosionsgefahr

Desinfektion des Trinkwassers durch UV-Bestrahlung

- sichere Abtötung frei schwimmender Legionellen

- keine Chemikalienzugabe

- Legionellen in Biofilm-Partikeln und Einzellern werden ungenügend abgetötet

- keine Depotwirkung

- kein Biofilmabbau im System

Desinfektion der Trinkwasser-Installation durch Peroxidverbindungen, Chlor oder Chlordioxid (Hochchlorung)

- Abtötung und insbesondere bei Peroxidverbindungen Ablösung von Biofilmen

- kein Chemikalieneintrag ins anschließend genutzteTrinkwasser

- Stilllegung der Trinkwasser-Installation während der Desinfektion,

- Zur Verhinderung einer raschen Wiederverkeimung ist Austrag der abgetöteten Biofilme durch geeignete Spülverfahren notwendig.

- sehr großer Aufwand

- Korrosionsgefahr

Filter

- „Sterilität im Filtrat“

- keine Depotwirkung

- kein Biofilmabbau im System

- kostenintensiv

- verringerter Durchfluss, ggf. Druckerhöhung notwendig

(- Membrandefekte oder versäumte Wechselintervalle kaum erkennbar)